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„Ich möchte wieder Schitouren gehen“ – Erfahrungsbericht nach Schlaganfall

Aktualisiert: 22. Feb.

Ein Schlaganfall veränderte das Leben vom 35-jährigen Markus von einem Tag auf den anderen. Mit großer Motivation kämpft sich der begeisterte Sportler zurück ins Leben.

Markus ist hoch motiviert
Markus hat nie die Motivation verloren und ans Aufgeben war schon gar nicht zu denken

Der 35-jährige Markus war gerade beim Rasenmähen als er vergangenes Jahr im August plötzlich stürzte. Er wollte nach Hilfe rufen und aufstehen, aber die Worte wollten nicht aus seinem Mund und er konnte sein rechtes Bein und seine rechte Hand nicht mehr bewegen. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er ins nächste Krankenhaus geflogen. Dort wurde ein Schlaganfall mit einer spastischen armbetonten Halbseitenlähmung und einer starken Sprachstörung (=Aphasie) festgestellt.


Bis zum besagten Tag im August war Markus ein sehr aktiver Sportler. Snowboarden, Rad fahren, wandern oder Skateboarden gehörten zu seinen Hobbies. Nach seinem Schlaganfall ist jedoch alles anders. Als er nach fünf Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte er nicht gehen, seine Hand hatte kaum Funktion und er litt an starken Sprachproblemen. Es folgten vier Reha-Aufenthalte, in der sich Markus stetig verbesserte und z.B. das Gehen wiedererlernte.


Um auch nach seiner letzten Reha an seinen Fortschritten weiterzuarbeiten, machte sich Markus auf die Suche nach weiteren Therapiemöglichkeiten und wurde mit unserer Therapieeinrichtung fündig. Denn er hat ein großes Ziel: er möchte ein normales Leben und alles (wieder) machen können.


Zwei Intensivtherapien mit jeweils zwei Wochen absolvierte Markus in unserer Therapieeinrichtung. Er hat täglich 5-6 Stunden trainiert, dabei nie die Motivation verloren und ans Aufgeben war schon gar nicht zu denken. Da Markus schon immer Sport liebte, war es für ihn selbstverständlich in der Therapie auch immer 100% zu geben.

„Ich habe Kinder, das motiviert und ich … stecke das Ziel immer weiter, weiter, weiter,“ erzählt Markus.

So hatte er in der ersten Intensivtherapie u.a. den Fokus einen Rucksack mit seiner rechten Hand zu stabilisieren, um ihn mit der linken Hand öffnen und schließen zu können. Dies hat er, mit ein paar weiteren Zielen, nach der ersten Intensivtherapie geschafft.

Motiviert durch die Fortschritte, machte er zwei Wochen Pause und absolvierte gleich eine zweite Intensivtherapie. Das Ziel der zweiten Intensivtherapie war es, den rechten Arm für das Gehen mit Schistöcken einsetzen zu können, damit er wieder Skitouren gehen kann. Seine Finger besser öffnen zu können war das weitere große Ziel der zweiten Intensivtherapie.


Ein Ziel vor Augen

Markus beim Stock-Training
Durch die Spastik im Arm, ist es für Markus schwer den Arm ohne Widerstand zu bewegen

Um sein Ziel erreichen zu können, war es notwendig einen großen Fokus auf die Kräftigung des gesamten rechten Armes zu legen. Die Herausforderung für Markus war es den Schistock ohne Widerstand durch die Spastik im Arm zu führen und ohne, dass der Rumpf bei der Bewegung mit nach vorne geht. Gerade wenn der Tonus (Spannungszustand in den Muskeln) durch die Spastik hoch ist, ist es schwer den Arm ohne Widerstand zu bewegen, was aber für das Nachvornebringen eines Stockes notwendig ist. Aus diesem Grund kräftigte Markus vor allem die Streckmuskulatur und die Hebemuskulatur des Armes (die Muskulatur, die den Arm streckt und hebt). Das wurde in diversen Stützaktivitäten, funktionellen Übungen und am TRX-Band trainiert.


Die Kombination macht den Unterschied

Während der insgesamt vier-wöchigen Intensivtherapie wurden verschiedenste Therapiegeräte genutzt. Die Kombination der unterschiedlichen Geräte und Übungen bieten die besten Bedingungen für Verbesserung.


Das Therapiegerät „Diego“ wurde u.a. verwendet, um das Heben des Armes zu trainieren. Mit Diego kann durch zwei über den Kopf installierte Armschleifen, ein Teilgewicht des Armes abgenommen werden und somit der Arm leichter bewegt werden. In Kombination mit einem computergestützten Therapiespiel musste Markus, um etwa beim Ballon fahren Hindernissen auszuweichen, seine Arme nach oben oder unten bewegen. Zusätzlich wurde hier die Ellbogenstreckung ohne Widerstand trainiert, das wiederum für das Nachvornebringen des Schistockes notwendig ist.


Mit dem Hand-Arm-Schulter Therapiegerät Pablo, der mit unterschiedlichen Lagesensoren ausgestattet ist, kann eine Vielzahl an Übungen gemacht werden. Die Sensoren können an Objekten (Leiter, Therapie-Reifen) oder am Körper angebracht werden. Die Armstreckung konnte so in diversen Übungssettings trainiert werden, indem z.B. die Leiter oder der Reifen nach vorne oder hinten bewegt werden müssen. In Kombination mit computergestützten Therapiespielen machen die verschiedenen Übungen gleich doppelt so viel Spaß.


Markus übt am Amadeo
Markus übt am Amadeo

Um das Fingeröffnen zu trainieren und die Spastik zu reduzieren wurde unter anderem mit unserem Finger-Hand-Therapiegerät Amadeo geübt. Amadeo ermöglicht eine passive, assistive und aktive Therapie für einzelne Finger und Daumen. Durch Vibration und automatisierte individuell angepasste Bewegungen arbeitet Amadeo einerseits gezielt an der Verbesserung der Tiefensensibilität (Empfindung von Lage, Haltung und Bewegungen des Körpers im Raum) und andererseits durch das Lockern und Entspannen der Finger an der Beweglichkeit der Finger, sowie das isolierte Bewegen der einzelnen Finger. Durch die Einstellung Kraftsteuerung kann man auch lernen die Beugung der Finger richtig zu dosieren. Das ist für den Alltag sehr wichtig, da man z.B. beim Verwenden eines Duschgels nur eine gewisse „Portion“ herausdrücken möchte.

Markus übt die Armstreckung mit einem Stock
Markus übt die Armstreckung mit einem Stock

Einen großen Teil der Therapie stellte auch die Umsetzung des Gelernten in den Alltag dar. Bei Markus bezog sich das Training auf Übungen mit dem Stock, während er die Armstreckung übte. Bei einer Übung legte er z.B. den Arm auf einer hohen Liege und einem Stepper ab und übte von dieser Position die Armstreckung. Das Gehen mit dem Stock selbst wurde ebenso immer wieder geübt.


Multitasking Training

Markus hat auch Schwierigkeiten mit der Sprache. Besonders fällt es ihm schwer zu sprechen, während er eine körperliche Aktivität durchführt. Um das zu verbessern, haben wir Multitasking während der Intensivtherapie speziell geübt. Von seiner Logopädin bekam er bestimmte Übungen, die während dem Training umgesetzt werden können. Markus ging z.B. in hoher Geschwindigkeit auf unserem Gangtrainer „Lyra“ und übte währenddessen das Sprechen. Das Multitasking Training hat sich gelohnt: Markus hat gelernt während dem Spazierengehen und während des Autofahrens zu sprechen oder auch zu telefonieren. Ein toller Erfolg für Markus!


Die nächste Schitour kann kommen

Die Intensivtherapien waren für Markus ein großer Erfolg. Seine Motivation sich immer weiter zu verbessern hat dabei den Unterschied gemacht. Nach der zweiten Intensivwoche kann Markus nun einen Schistock verwenden. Dazu ist nur mehr eine kleine Kompensation im Rumpf nötig, indem er sich leicht nach vorne beugt.


Markus hat auch gelernt seinen Arm im Alltag besser einzusetzen, ist insgesamt viel kräftiger geworden und hat sogar gelernt einige Meter zu laufen. Mit seinem Ansporn nicht aufgeben zu wollen und seinen kleinen Motivatoren zu Hause, glauben wir fest an Markus, dass er noch weitere Ziele erreichen kann. Die nächste Intensivtherapie in unserem Therapiezentrum ist auch schon bereits in Planung.


Der Skitour steht somit nichts mehr im Weg – jetzt muss nur noch der Schnee fallen.


Markus' Geschichte seht ihr auch hier:


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