Schlaganfall im Sommer: Warum Hitze das Risiko erhöht – und was Betroffene wissen sollten
- Aliaksandra Zhylko

- Jul 1
- 3 min read

Heiße Sommertage sind für viele Menschen eine Belastung – für Menschen nach einem Schlaganfall oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko können sie jedoch besonders gefährlich werden. Studien zeigen, dass die Zahl der Schlaganfälle bei extremer Hitze messbar ansteigt. Was steckt dahinter, und wie können Betroffene und Angehörige gegensteuern?
🧠 Wie Hitze den Körper belastet
Bei hohen Temperaturen versucht der Körper, sich durch Schwitzen und erweiterte Blutgefäße abzukühlen. Das klingt zunächst harmlos – hat aber weitreichende Folgen für das Herz-Kreislauf-System:
🩸**Flüssigkeitsverlust und dickflüssiges Blut:** Wer bei Hitze schwitzt und zu wenig trinkt, verliert nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Elektrolyte. Das Blut wird zähflüssiger. Für Menschen, die bereits Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen oder eine Neigung zu Gerinnungsproblemen haben, ist das ein ernstes Risiko – denn dickflüssiges Blut verstopft Gefäße leichter.
❤️**Blutdruckschwankungen:** Die Gefäßerweiterung bei Hitze senkt den Blutdruck. Das klingt zunächst positiv, kann aber gerade für Menschen mit vorgeschädigten Gefäßen problematisch sein – denn ein zu niedriger Blutdruck verringert die Durchblutung des Gehirns. Auf einen Druckabfall kann der Körper mit einem reflexartigen Druckanstieg reagieren, der Gefäße zusätzlich belastet.
🫀 **Erhöhte Herzarbeit:** Das Herz pumpt bei Hitze schneller, um den Körper zu kühlen. Für ein bereits geschwächtes Herz – was nach einem Schlaganfall häufig der Fall ist – bedeutet das eine erhöhte Belastung.
👬🏼 Wer ist besonders gefährdet?
Nicht alle Menschen reagieren gleich auf Sommerhitze. Besonders aufmerksam sollten folgende Gruppen sein:
- Menschen nach einem Schlaganfall, deren Gefäßsystem und Regulationsmechanismen bereits beeinträchtigt sind
- Ältere Menschen, da die Temperaturregulation im Alter nachlässt
- Personen mit Bluthochdruck, die Diuretika (wassertreibende Mittel) einnehmen – diese erhöhen den Flüssigkeitsverlust zusätzlich
- Diabetikerinnen und Diabetiker, da Hitze den Blutzucker beeinflusst
- Menschen mit Vorhofflimmern, das ohnehin das Schlaganfallrisiko erhöht
⚠️ Warnsignale, die ernst genommen werden müssen
Die Symptome eines drohenden Schlaganfalls sind im Sommer dieselben wie zu jeder anderen Jahreszeit – sie werden jedoch leichter mit Erschöpfung durch Hitze verwechselt. Die wichtigsten Warnzeichen auf einen Blick:
- Plötzliche Taubheit oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein – besonders einseitig
- Plötzliche Verwirrtheit oder Sprachschwierigkeiten
- Sehprobleme auf einem oder beiden Augen
- Plötzlicher, ungewöhnlich starker Kopfschmerz ohne erkennbaren Grund
- Schwindel, Gleichgewichtsprobleme oder Koordinationsstörungen
Der FAST-Test (Face – Arms – Speech – Time) hilft, rasch einzuschätzen, ob ein Schlaganfall vorliegt: Hängt ein Mundwinkel? Kann die Person beide Arme heben? Ist die Sprache verwaschen? Wenn eines dieser Zeichen zutrifft: sofort den Notruf 144 (Österreich) wählen. Jede Minute zählt.

Praktische Tipps für einen sicheren Sommer
1. Ausreichend trinken – auch ohne Durstgefühl
Das Durstgefühl nimmt im Alter ab. Betroffene sollten sich aktiv an regelmäßiges Trinken erinnern – am besten Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Empfohlen werden mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich; bei starker Hitze entsprechend mehr. Alkohol und koffeinhaltige Getränke verstärken den Flüssigkeitsverlust.
2. Die kühlen Tageszeiten nutzen
Aktivitäten – ob Spaziergänge, Therapieübungen oder Erledigungen – sollten in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Zwischen 11 und 16 Uhr ist die Hitzebelastung am höchsten. Wer in dieser Zeit draußen sein muss, sollte einen Hut tragen und Schatten suchen.
3. Wohnung kühl halten
Fenster tagsüber schließen und abdunkeln, morgens und abends lüften. Ventilatoren helfen bis zu einer Außentemperatur von etwa 35 Grad; darüber kühlen sie nicht mehr ausreichend. Klimaanlagen sollten nicht auf Temperaturen unter 24 Grad eingestellt werden – zu starke Temperaturunterschiede belasten den Kreislauf.
4. Medikamente im Blick behalten
Bestimmte Medikamente – darunter Blutdruckmittel, Diuretika, Antidepressiva und Antiepileptika – können die Hitzetoleranz verringern oder stärker entwässern. Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen, ob eine Dosisanpassung im Sommer sinnvoll ist. Medikamente nie eigenmächtig absetzen.
5. Rehabilitation nicht unterbrechen
Ein weit verbreiteter Irrtum: Im Sommer macht eine Pause in der Rehabilitation keinen Schaden. Tatsächlich ist regelmäßige neurologische Rehabilitation – auch im Sommer – entscheidend für den Genesungsfortschritt. Das Gehirn lernt durch Wiederholung; Unterbrechungen können hart erarbeitete Fortschritte verlangsamen. Statt zu pausieren, empfehlen wir, Therapiezeiten in die kühleren Tageszeiten zu verlegen und die Intensität bei sehr hohen Temperaturen anzupassen.

Rehabilitation nach Schlaganfall: Was HOME4MOTION bietet
In unserem neurologischen Rehabilitationszentrum HOME4MOTION in Wien und Graz begleiten wir Menschen nach einem Schlaganfall auf ihrem Weg zurück zu mehr Selbstständigkeit – auch und gerade in den Sommermonaten.
Unser interdisziplinäres Team aus Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Logopädinnen arbeitet nach den neuesten evidenzbasierten Methoden der Neurorehabilitation. Dazu gehören unter anderem robotergestützte Therapieverfahren wie recoveriX, intensive Einzel- und Gruppentherapien sowie gezielte Hirnleistungstraining-Programme.
Wenn Sie oder ein Angehöriger einen Schlaganfall erlitten haben und Fragen zur Rehabilitation haben, beraten wir Sie gerne – individuell, persönlich und unverbindlich.
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*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei akuten Symptomen wenden Sie sich sofort an den Notruf 144.*




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