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Wandel und Fortschritt: Intensivtherapien von Lejla und Ven

Intensivtherapien in den Herbstferien bringen Lejla und Ven weiter auf ihrem Weg zu Selbstständigkeit und Autonomie.


Lejla im Rollstuhl mit rosa Hose und grauem Tshirt. im Hintergrund eine Kletterwand. Therapeut Constantin kniet neben ihr
Lejla mit Physiotherapeut Constantin

In unserem Therapiezentrum in Wien starteten in den Herbstferien 2023 die Geschichten der Intensivtherapien von Lejla und Ven. Lejla wurde im August 2022 mit einer plötzlichen Querschnittlähmung der Lendenwirbelsäule konfrontiert, das ihre vertraute Welt über Nacht veränderte und sie auf einen Rollstuhl angewiesen machte. Die 15-jährige Ven lebt seit ihrer Geburt mit Cerebral Parese bzw. spastischen Lähmung, insbesondere auf der rechten Körperseite. Mit einem Elektrorollstuhl mobil, kann sie nur mit stabilen Hilfsmitteln wie einem Gehbarren oder Walker stehen und kurze Distanzen gehen. Dennoch ist Sport ein wichtiger Teil ihres Lebens, und sie übt regelmäßig zu Hause mit einem Sitzfahrrad, Gewichten und einem Stehtisch.

Therapeutin Valerie im Hintergrund, vor ihr Ven und spielt 4-Gewinnt
Ven übt die Funktionsfähigkeit ihrer oberen Extremitäten zu verbessern

Mit klaren Zielen vor Augen, arbeiteten Leyla und Ven in ihren Intensivtherapien daran, ihre Ziele zu erreichen. Für Lejla steht die Erhöhung ihrer Selbstständigkeit im Mittelpunkt. Sie möchte ohne Hilfe Transfers vom Rollstuhl auf einen Sessel oder eine Bank durchführen können, selbstständig aus dem Rollstuhl aufstehen und 20 Sekunden lang mit Festhalten stehen können und im Kniestand mit Stütz auf einem Sessel eine ebenso lange Seite stabil zu bleiben. Vens Hauptziel liegt darin, aus einem Glas zu trinken ohne dabei etwas zu verschütten, und dies ausschließlich mit ihrer linken Hand zu bewältigen. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Funktionsfähigkeit ihrer rechten oberen Extremität, um gezielte und koordinierte Bewegungen zu erlernen.


Herausforderungen & Fokus der Therapie

Lejla übt im Stehtrainer Ball
Lejla übt im Stehtrainer Ball

Lejla startete ihre Therapie mit beeinträchtigter Muskulatur in den unteren Extremitäten, denn sie kann ihre Beine und Füße nicht kontrollieren bzw. bewegen. Darüber hinaus wird sie durch ein passives Defizit in der Hüftstreckung daran gehindert, sich aufrecht zu halten.


Mit einem klaren Therapieplan wurde Lejlas Intensivtherapie gestaltet:

  • Ausdauer: Intensives Stehtraining im Stehtrainer Balo förderte ihre Ausdauer.

  • Hüftdehnung: Durch gezieltes passives Dehnen verbesserte sich die Hüftstreckung.

  • Rumpfkräftigung: Im freien Sitzen wurde ihr Rumpf gestärkt.



Vens Therapiefokus reichte von Rumpf- und Gleichgewichtstraining bis hin zur Kräftigung der Beine. Ihr Weg beinhaltete nicht nur körperliche Herausforderungen, sondern auch das Erlernen komplexer Handbewegungen.

Im Rumpf- und Gleichgewichtstraining absolvierte Ven Reaching- und Ballübungen im freien Sitz sowie Gehtraining am Laufband im Gehbarren mit Unterstützung von zwei Physiotherapeutinnen. Der Gangphasentrainer Omego wurde gezielt für die Beinkräftigung eingesetzt.

Stehtraining und Streckübungen der Knie und Hüftgelenke am Stehtisch verbesserten Vens Standfestigkeit. Auf der Therapieliege wurden gezielte Kräftigungsübungen für die Gesäßmuskulatur durchgeführt, darunter Bridging und Abduktion gegen Widerstand.

Im Selbstmanagement übte Ven das Vor- und Zurückschieben im Rollstuhl sowie den Übergang vom Sitzen zum Stehen (Sit to Stand) für mehr Autonomie.

Kraft- und Motorikübungen für Vens rechte obere Extremität, wie Entspannungsübungen, das Erlernen von Drehbewegungen des Armes, und spielerische Übungen wie 4-Gewinnt mit Pinzettengriff, waren einige der vielen unterschiedlichen Schwerpunkte von Ven's Intensivtherapie.



Die erreichten Meilensteine


Mit großer Motivation und der Hilfe ihres engagierten Therapieteams konnte Lejla tolle Meilensteine erreichen.

  • Selbstständigkeit: Lejla kann nun ohne Hilfe zwischen Rollstuhl und Sessel wechseln (Transfer).

  • Mobilität: Vom Rollstuhl auf den Boden und zurück zu kommen, meistert sie mit einer bewundernswerten Selbstständigkeit.

  • Standfestigkeit: Aus dem Rollstuhl aufzustehen und 14 Sekunden zu stehen, zeigt ihre zunehmende Stabilität.

  • Hüftstreckung: Das passive Defizit in der Hüftstreckung wurde links auf -5° und rechts auf -10° verbessert.


Auch Ven hat beeindruckende Fortschritte gemacht, denn sie hat ihr großes Ziel mit der linken Hand eigenständig aus einem Glas zu trinken gemeistert (ohne Wasser zu verschütten). Das zeigt nicht nur ihre verbesserte Feinmotorik, sondern auch einen bedeutenden Schritt in Richtung Autonomie.

Die Verbesserung der Feinmotorik werden auch dadurch deutlich, dass Ven mit beeindruckender Geschicklichkeit mit der rechten Hand eine Schaumstoffrolle von oben greifen und dabei das Handgelenk in neutraler Position halten. Obwohl noch leichte Bewegungen auftreten, kann sie ihre Finger besser kontrollieren und eine Überstreckung vermindern. Ihr Erfolg bei 4 Gewinnt mit einem annähernden Pinzettengriff betont ihre verbesserten feinmotorischen Fähigkeiten.


Laufbandtherapie mit Unterstützung der Physiotherapeutinnen
Verbesserungen am Laufband

Auch im Bereich der unteren Extremitäten und Stabilität kann Ven Verbesserungen aufweisen. Ven konnte am Ende der Intensivtherapie frei sitzend Ball spielen und verlor dabei nicht die Aufrichtung und Spannung im Rumpf. Dabei konnte sie sowohl beim Werfen als auch beim Fangen den Oberkörper gut stabilisieren. Sie hat auch gelernt selbstständig im Rollstuhl vor und zurückzurutschen und kann mit einer Begleitperson den Transfer vom Rollstuhl auf die Therapieliege durchführen.


Beim Laufbandtraining zeigt sie nicht nur körperliche Ausdauer, sondern auch eine aufrechte Haltung und bewusste Streckung des Gesäßes, die lange und koordinierte Schritte ermöglichen. Zwei engagierte Physiotherapeutinnen begleiten sie dabei, minimal bei der Fußsetzung eingreifend.


Blick in die Zukunft

Leilas und Vens Reise hört mit ihren Intensivtherapien nicht auf. Leyla wird auch zuhause viel in ihrem Stehtisch stehen, um weiterhin das Stehen fleißig üben. Zusätzlich integriert sie andere Übungen in den Alltag. Das Ziel bleibt klar: Fortlaufende Stärkung von Rumpf und Beinen, um ihre Selbstständigkeit weiter zu fördern. Die bevorstehende Nutzung eines aktiveren Rollstuhls eröffnet außerdem neue Möglichkeiten für Lejla, da sie mit dem dann mobiler sein wird.


Auch Ven's Reise geht weiter. In den nächsten Therapieeinheiten wird das weitere Erarbeiten der Funktionsfähigkeit der rechten oberen Extremität der Fokus sein, vor allem ein gezielterer Pinzettengriff. Außerdem wird weiterhin an der Rumpfstabilität, der Verlängerung der Gehfähigkeit am Laufband und der selbstständigen Durchführung alltäglicher Transfers trainiert.


Der Kraft von menschlichem Willen

Lejla und Ven demonstrieren eindrucksvoll, dass mit großer Motivation und Willenskraft und mit der Unterstützung der Physiotherapie unüberwindbare Kräfte entfalten werden können. Jede Bewegung, die Lejla und Ven erreichen, zeigen ihre Stärke und den Wunsch auf Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.





 

Großzügige Spende für Intensivtherapie

Logo freiraum-europa
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Die Intensivtherapien von Leila und Ven im Oktober 2023 wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins freiraum-europa ermöglicht. freiraum-europa unterstützt vorwiegend Kinder und Jugendliche, die vom Schicksal schwer getroffen wurden. Die positiven Entwicklungenseit der Gründung sind den vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von freiraum-europa zu verdanken. freiraum-europa unterstützt im In- und Ausland behinderte Menschen in Notlagen mit Sach- und Geldspenden sowie Beratungs- und Bildungsleistungen. "Es ist uns wichtig, insbesondere dort zu helfen, wo Hilfe am nötigsten ist“.

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