Moderne Bewegungstherapie bei Multipler Sklerose - Ein Erfahrungsbericht

Diagnose MS


Marathon laufen, mit dem Rad durch Europa reisen, im Crossfit alles geben – das war der ganz normale Alltag für Philipp. Bis irgendwann nichts mehr weiter ging. Im Crossfit konnte er keine Verbesserungen mehr erzielen, statt Muskeln aufzubauen fühlte er sich trotz hartem Training immer schwächer und der rechte Vorfuß wollte beim Laufen auch nicht mehr so richtig mitmachen… Alles nur blöde Zufälle oder Übertraining? Als dann 2013 im Segelurlaub auch noch eine Optikusneuritis (= Entzündung des Sehnervs) hinzukam, war das ein Zufall zu viel. Zuhause erfolgte dann mittels MRT des Schädels und später der Halswirbelsäule die Diagnose – Multiple Sklerose in progredienter Form. Der Prozess von Symptombeginn bis zur Diagnose hat ganze 1 ½ Jahre gedauert.

Voranschreitende Krankheit

Zur Zeit der Diagnose steht Philipp mitten im Leben und trainiert selbstständig weiter, so gut er kann. Doch die Krankheit schreitet voran und die Symptome nehmen zu, was ihm das zuvor unbeschwerte freie Leben maßgeblich erschwert. Nicht nur der Leistungssport wird zur Sisyphosaufgabe, ab 2018 wird auch das Gehen zu einer wahren Herausforderung. Er kann die Muskeln in seinen Beinen nicht mehr so gut ansteuern und aktivieren, wie er es gerne würde. 2020 kommt dann auch noch die immer wieder einschießende Streckspastik in den Beinen hinzu, die eine dosierte Kniekontrolle fast unmöglich macht. Leider bedeutet dies auch das Ende für die vertikale eigenständige Fortbewegung… ein Rollstuhl muss her. Doch das permanente Sitzen im Rollstuhl bringt weitere Folgen mit sich – Rückenschmerzen, drei Bandscheibenvorfälle, eine verminderte Oberkörperaufrichtung, Verkürzung der Hüftbeugemuskulatur,…


Regelmäßige Gruppentherapie bei HOME4MOTION

Jetzt reicht es Philipp eindeutig und er ergreift die Initiative. Durch Google Recherchen und Erfahrungsberichte kommt er auf Home4Motion und trainiert seit ca 5 Monaten 2x pro Woche mit vollem Einsatz und viel Freude.


Robotikgestützte Gangtherapie in Wien

„Es ist so ein schönes Gefühl, nach einem Jahr im Rollstuhl wieder auf eigenen Beinen stehen zu können und zu gehen!“ – das ist Philipps begeisterte Reaktion, als er das erste Mal auf unserem Gangtrainer geht. Durch die veränderbare Gewichtsabnahme und die Führung des Beckens und der Füße ist es für Philipp möglich eine halbe Stunde lang zu gehen. Dabei kann er selbst variieren, wie viel Gewicht seines Körpers seine Beine selbst tragen müssen und wie viel er über den Gurt an die Maschine abgibt. Neben dem tollen Gefühl, endlich wieder gehen zu können und ohne Angst zu stürzen, werden auch die Bein-, Rumpf- und Stützmuskeln trainiert, die Hüftmuskulatur aufgedehnt und die Gelenke durchbewegt.


Rumpf ist Trumpf! Therapie die Spaß macht!

Ein ganz wichtiger Körperabschnitt um Arme und Beine frei zu bewegen, aufrecht sitzen zu können und unsere Wirbelsäule zu schützen, ist unser Rumpf. Krankheitsbedingt sowie durch das viele passive Sitzen im Rollstuhl ist auch dieser bei Philipp geschwächt. Eine tolle Möglichkeit diesen sowohl im Sitz, wie auch im Stand zu trainieren bieten einerseits die Gewichtsverlagerung am Dynamischen-Stehtisch mit dem Multiboard, andererseits der eingebaute Druck- und Bewegungssensor am Myro.


Durch die Sicherung am Stehtisch kann Philipp eigenständig stehen und so seine Bein- und Rumpfmuskulatur gleichzeitig trainieren. Mittlerweile kann Philipp mit Sicherung eines Therapeuten/-in beim Training am Myro sogar frei stehen.

Wie schon weiter oben angesprochen, ist bei Philipp vor allem auch die Kniestabilität ein großes Thema. Durch die immer wieder einschießende Streckspastik sind seine Knie im freien Stand sehr instabil, da er sie beim Einschießen der Spastik nicht mehr richtig unter Kontrolle hat und die Gefahr des Stürzens somit sehr hoch ist. Mithilfe des Pablo-Sensors, der mit dem Computer verbunden ist kann Philipp verschiedenste durch den/ die Therapeuten/in erteilte Übungen zum Kräftigen der Kniegelenksumgebenden Muskulatur und somit der Kniestabilität spielerisch trainieren.

Hand-Arm-Schulter Therapie

Aber nicht nur die Beine, sondern auch die Arm- und Schultermuskulatur muss Philipp trainieren. Auch hierfür kann einerseits der Pablosensor, andererseits der Myro verwendet werden. Unter Abnahme des Armgewichts mittels Saebo kann Philipp seinen Arm in allen Ebenen heben und so die gesamte Muskulatur von Schulterblatt, über Schulter bis Oberarm computerunterstützt spielerisch und mit sofortigem visuellem Feedback trainieren. Durch die Spiele müssen seine Muskeln sowohl konzentrisch (=gegen die Schwerkraft heben), isometrisch (=gegen die SK halten), wie auch exzentrisch (=gegen die SK bremsend senken) arbeiten.





„Mir gefällt es, immer wieder neue Übungen auszuprobieren und so viele verschiedene Reize für meine Muskeln zu setzen. Ich habe das Gefühl, das bringt mich weiter“

Erfolge, Fortschritte und Resümee

Da es sich bei Multipler Sklerose um eine nicht heilbare, progrediente (=voranschreitende) Erkrankung handelt, steht für Philipp hauptsächlich der Erhalt seiner noch vorhandenen Muskelmasse, der Beweglichkeit und der Kraft im Vordergrund. Durch das wöchentliche Training merkt er, dass er intervallweise am Perpedes mehr Gewicht selbst übernehmen kann, durch das Rumpftraining am Stehtisch und am Myro sich wieder mehr aufrichten kann, freies Stehen unter Supervision wieder möglich ist und auch der Bewegunsgsradius im Schultergelenk größer geworden ist.

"Use it or lose it" - Ist ein Grundpfeiler der neurologischen Bewegungstherapie

„Ich muss dranbleiben, jeden Tag hart an mir arbeiten und konsequent weitertrainieren um meinen Zustand so gut wie möglich zu erhalten. Aber es zahlt sich aus, vor allem, wenn man durch so nette Therapeut/innen unterstützt und motiviert wird und die Geräte einem helfen.
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