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Laras inspirierender Weg zur Verbesserung ihrer Mobilität

Die 7-jährige Lara hat durch eine Infantile Cerebralparese motorische Beeinträchtigungen vor allem während des Gehens. Trotz vieler Herausforderungen und Hindernissen lässt sich Lara nicht unterkriegen.

Lara auf einer Kletterwand mit ihren Physiotherapeut:innen Martina & Lorenz
Lara mit ihren Physiotherapeut:innen Martina & Lorenz

Ein Sauerstoffmangel während der Geburt verursachte bei der heute 7-jährigen Lara eine Infantile Cerebralparese. Die Cerebralparese zeigt sich vor allem durch motorische Beeinträchtigungen während des Gehens. Aber Lara ist eine Kämpferin - wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann arbeitet sie fleißig daran, bis sie ein Ziel erreicht hat. Das zeigte sie auch im September während einer 1-wöchigen Intensivtherapie in unserer Therapieeinrichtung in Graz. Sie setzte sich ehrgeizige Ziele und arbeitete daran, ihr Gangbild zu optimieren und die Effizienz des Gehens zu steigern.


Fortschritte und Herausforderungen

Lara war schon im Mai 2022 für eine Intensivtherapie bei uns in Graz. Seitdem hat sich bei dem quirligen Mädchen viel verändert: sie kommt im Herbst in die 2. Klasse Volksschule, ist weitestgehend frei gehend mobil, benutzt nur selten bei längeren Wegstrecken den Buggy und stürzt weniger. Die Fortschritte stellen für Lara und ihre Familie eine große Erleichterung dar.


Doch trotz dieser Erfolge gibt es immer noch Herausforderungen. Lara neigt dazu, ihren rechten Fuß nach innen einzudrehen. Eine Orthesenversorgung um dem entgegenzuwirken, brachte nicht die gewünschte Besserung. Darüber hinaus zeigt sie eine Vorverlagerung des Rumpfes und eine reduzierte Schrittlänge auf beiden Seiten, wobei die linke Seite stärker betroffen ist. Sie zeigt zudem rechts mehr Fersenbelastung als links und am Ende der Standbeinphase links fehlt ihr die volle Streckung im Fuß, wodurch sich die Schrittlänge rechts weiter verkürzt. Die Ursachen liegen in einer Kraftminderung der Abduktoren, die die Hüfte und das Becken stabilisieren, sowie in Einschränkungen der Mobilität der Hüftgelenke und des Sprunggelenks.


In Bezug auf ihre oberen Extremitäten zeigt Lara bemerkenswertes Geschick mit ihrer rechten Hand und verwendet ihre linke Hand gelegentlich zur Unterstützung. Dennoch sind ihre feinmotorischen Fähigkeiten leicht verlangsamt. Insbesondere bei Aufgaben, die eine starke Stützfunktion erfordern, wie das Strecken des Ellenbogens und die Stabilisierung der Schulter, zeigt sie eine gewisse Schwäche.


Lara steht auf einer blauen Airex Matte mit einem Ball in der  Hand
Lara übt auf der Airex Matte

Therapieziele: Ein Weg zur besseren Mobilität

Der Hauptfokus der Intensivtherapie lag auf dem Optimieren des Gangbildes und der Steigerung der Mobilität. Im Detail umfassten die Therapieziele:

  1. Mobilisation der Sprunggelenke in Dorsalextension aktiv und passiv

  2. Mobilisation der Hüftgelenke in Außenrotation, Abduktion und Extension

  3. Kräftigung der Abduktoren und des Quadriceps (diese Muskeln sind entscheidend für die Stabilität beim Gehen)

  4. Training der Standbeinphasen: Lara arbeitete intensiv daran Standbeinphasen zu halten und die Muskulatur zu aktivieren, die das Standbein stabilisiert.

  5. Verbesserung des dynamischen und statischen Gleichgewichts: Gutes Gleichgewicht ist entscheidend, um sicher zu stehen und zu gehen.

  6. Verbesserung der Rumpfstabilität: Eine starke Rumpfmuskulatur ist die Basis für ein stabiles Gangbild.

  7. Anbahnen von selektiven, koordinierten Funktionen der Muskulatur: Lara arbeitete daran, die Muskelkoordination in ihren oberen und unteren Extremitäten zu verbessern.


Vielfältige Therapie

Lara am Gaingtrainer PerPedes mit Physiotherapeutin Martina
Lara am Gangtrainer PerPedes (Archivaufnahme Mai 2022)

Um die Therapieziele zu erreichen, gestalteten die Physiotherapeut:innen Martina und Lorenz ein umfassendes Therapieprogramm, das darauf abzielte, Laras Gangbild zu optimieren und ihre Mobilität zu steigern.


Täglich übte Lara intensiv am Gangtrainer PerPedes. Hier lag der Schwerpunkt auf einer hohen Wiederholungszahl, um das optimale Gangmuster zu erlernen. Sie hatte anfangs Schwierigkeiten mit der Koordination der Kniegelenke in der Beugungs- und Streckungsphase, da das rhythmische Wechseln dieser Bewegungen beim Gehen eine Herausforderung für sie darstellte. Doch mit cleveren Anreizen, wie dem Spielen mit einem Ball oder dem Hören von Musik, konnte die Motivation gesteigert werden, was dazu führte, dass Lara dynamischer und rhythmischer ging.

Lara am Laufband vor einen grünen Wand mit Physiotherapeutin Martina
Lara am Laufband

Das Laufbandtraining war ein weiterer wichtiger Bestandteil von Laras Intensivtherapie. Hier konnte sie die erlernten Bewegungsmuster aktiv umsetzen. Besonders erfreulich war, dass sie am Laufband immer wieder einen besseren Fersenkontakt mit dem Boden zeigte, was ihr mehr Stabilität beim Gehen bietet.


Lara profitierte auch von spezialisiertem Training mit dem Gangphasentrainer Omego. Dies half dabei, die Selektivität ihrer Beinfunktionen zu verbessern, insbesondere durch die Einstellung des Übens mit dem Stepper. Darüber hinaus wurde ihre Oberschenkelmuskulatur aktiviert und gestärkt, indem Widerstände angepasst wurden.


Das Gleichgewichtstraining mit Pablo-Sensoren war entscheidend, um Laras Reaktionen im Sitzen und Stehen auf verschiedenen mobilen Untergründen zu verbessern. Hierbei lag ein Schwerpunkt auf dem Üben auf einem Kippbrett und einer schiefen Ebene zur aktiven Mobilisation der Sprunggelenke. Aber auch die Verbesserung der Funktionen der oberen Extremitäten wurde in verschiedenen Settings geübt. Hier stand vor allem das Steigern der Stützaktivität und die Verminderung der assoziierten Reaktionen, besonders des linken Armes, im Fokus. Martina und Lorenz übten mit Lara besonders die aktive Streckung des Ellenbogens während des Stehens oder Sitzens auf mobilen Unterlagen, um die reaktive Beugung des Armes zu vermindern, da diese Beugespannung ihr viel Effizienz, in der den Funktionen im Stehen und Gehen nehmen.


Lara absolvierte auch herausfordernde Parcours, die das Überwinden von Hindernissen erforderten. Dieses Training verbesserte sowohl ihren Einbeinstand in der Standbeinphase als auch die Bewegungsmuster in der Schwungbeinphase. Darüber hinaus zeigte sie große Begeisterung für das Klettern an der Wand, was sowohl ihre globale Körperspannung als auch die selektive Aktivität ihrer oberen und unteren Extremitäten förderte. Das Klettern half auch dabei, die Außenrotation und Abduktion ihrer Hüften zu trainieren.


In den Pausen zwischen den Übungen wurde Zeit für die passive Mobilisation von Laras Händen und Füßen genutzt, um die Flexibilität zu erhalten.

Lara liegt auf einer orangen Therapieliege. Therapeutin Martina mobilisiert sie passiv.
Passive Mobilisation in den Pausen

Die Vielfalt dieser Übungen und Therapieansätze trug maßgeblich zu Laras Erfolg bei und zeigt, wie eine ganzheitliche Herangehensweise an die Rehabilitation zu beeindruckenden Fortschritten führen kann.


Lara auf der Kletterwand
Lara trainiert auf der Kletterwand

Erreichte Therapieziele: Tolle Fortschritte

Im Verlauf der Therapie erzielte Lara beeindruckende Fortschritte. Sie konnte täglich einen stabileren Stand halten, stolperte seltener und absolvierte längere Übungseinheiten in anspruchsvollen Ausgangspositionen. Ihre Zeiten am Laufband und am Gangtrainer wurden kontinuierlich gesteigert, das auf eine gesteigerte Kraftausdauerleistung hinweist. Bei guter Konzentration kann Lara immer öfter ihren Vorfuß und die linke Hüfte nach außen drehen, das zu einem stabileren Gang beitrug. Durch gezielte Übungen am Schwungbein verbesserte sie die selektive Muskelansteuerung und die intermuskuläre Koordination.


Die gesteigerte Kraft in den Beinen zeigt sich auch in den Assessments. Beim Krafttest am Gangphasentrainer Omego konnte sich Lara um 1,8 kg steigern und erreichte im Vergleich zum Therapiestart 47,9 kg (Therapiestart: 46,1 kg).

Beim Stehen mit beiden Füßen eng zusammen konnte sich Lara um 55 Sekunden verbessern. Zu Therapiebeginn konnte sie nur 20 Sekunden so stehen, zu Therapieende schon 1,15 Minuten. Auch beim Tandemstand (linker oder rechter Fuß vor dem anderen) konnte sie sich auf jeder Seite verbessern. Mit dem linken Fuß vorne konnte sie zu Therapieende 15 Sekunden stehen (Therapiebeginn: 4 Sekunden) und mit dem rechten Fuß vorne konnte sie 7 Sekunden stehen (Therapiebeginn: 2 Sekunden).

Der "3m Timed Up and Go Test" zeigte auch eine minimale Verbesserung um 0,8 Sekunden (Therapiestart: 8,8 Sekunden; Therapieende: 8,0 Sekunden).


Motivation und Unterstützung

Laras Familie wird sie auch nach der Intensivtherapie weiterhin fördern und sie fordern ihre motorischen Fähigkeiten zu erweitern und die Gehstrecken und -zeiten zu verlängern. Laras familiäres Umfeld und ihre Freund:innen in der Schule ermöglichen es ihr sich auszuprobieren und in ihrem Tempo neue Bewegungsformen zu erlernen. Auch ihre eigene Motivation und Ehrgeiz, etwas können zu wollen, helfen Lara ihre Ziele zu erreichen.

Lara liegt am Boden mit einem pinken Tshirt
Müde, aber glücklich nach einer intensiven Therapiewoche

 

Logo Verein freiraum-europa

Großzügige Spende für Intensivtherapie

Laras Intensivtherapie im September 2023 wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins freiraum-europa ermöglicht. freiraum-europa unterstützt vorwiegend Kinder und Jugendliche, die vom Schicksal schwer getroffen wurden. Die positiven Entwicklungen seit der Gründung sind den vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von freiraum-europa zu verdanken. freiraum-europa unterstützt im In- und Ausland behinderte Menschen in Notlagen mit Sach- und Geldspenden sowie Beratungs- und Bildungsleistungen. "Es ist uns wichtig, insbesondere dort zu helfen, wo Hilfe am nötigsten ist“.



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