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„Es geht so viel weiter und bringt so viel“ – Erfahrungsbericht nach Querschnittslähmung

Aktualisiert: 10. Aug. 2022

Ein Autounfall veränderte das Leben der 17-jährigen Yvonne von einem Tag auf den anderen. Seitdem ist sie ab dem ersten Lendenwirbel abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Seit ihrer Bewegungstherapie bei HOME4MOTION bekommt sie immer mehr Gefühl in ihren Beinen zurück.


„Hilf mir raus, ich kann meine Beine nicht bewegen!“, sagte Yvonne im Juli 2020 zu ihrem Freund nach einem unverschuldeten Autounfall. Mit dem Hubschrauber wurde sie ins nächstgelegene Spital in Wien gebracht – Diagnose der Ärzte:innen Querschnittslähmung ohne Aussicht jemals wieder gehen zu können. Es folgten Wochen der Rehabilitation, in der Yvonne lernte mit ihrer neuen Lebenssituation umzugehen. „Ich habe mir gedacht, ich werde das nicht auf mir sitzen lassen. Ich werde probieren was geht und ich werde es schaffen wieder gehen zu können“, erzählt Yvonne. Seit Anfang Mai 2021 begleiten sie unsere Physiotherapeuten:innen auf ihrem Weg. Yvonne erzählt:

„Mein Ziel ist wieder gehen und aufstehen zu können und dadurch wieder selbstständiger zu sein.“

Einmal in der Woche trainiert sie seitdem hoch motiviert in unserem Therapiezentrum in Wien. „Ich bin begeistert von der Therapie - es geht so viel weiter und es bringt so viel. Ich streng mich immer an und versuche bei jeder Übung das Beste zu geben“, schildert sie. Und ihre Motivation zahlt sich aus. „Am Anfang hatte ich kein Gefühl, keine Funktion in den Beinen. Aber jetzt ist das Gefühl wieder da“, freut sich Yvonne. Dazu beigetragen hat auch eine 2-wöchige Intensivtherapie mit täglich vier Stunden Bewegungstherapie im Sommer 2021. Im April 2022 folgte die zweite Intensivtherapie mit fünf Tagen, á fünf Stunden. Yvonne berichtet:

„Die Intensivtherapie ist generell viel intensiver, wenn man jeden Tag Therapie hat. Es ist sehr anstrengend, aber man merkt es geht was weiter.

Hochdosierte Intensivtherapie in Graz

Die Intensivtherapie in Graz setzte sich aus mehreren Teilbereichen zusammen. Schwerpunkte waren Gangtherapie, Rumpfstabilisation und Kräftigung der Bein- und Hüftmuskulatur. Ein Hauptfokus lag darin den unteren Rumpf in diversen Situationen (während des Stehens, Sitzens, Gehens) in der korrekten Position zu halten. Dies ist von großer Wichtigkeit, da ein stabiler, kräftiger Rumpf Voraussetzung für Aktivitäten in aufrechter Position ist.


Robotergestützte Gangtherapie

Der Fokus der Gangtherapie lag bei Yvonne auf der Aktivierung der gesamten Beinmuskulatur und der Stabilisierung des Rumpfes. Dazu wurden die Gangtrainer „Lyra“ und „Perpedes“ genutzt, die das das menschliche Gangmuster detailgetreu nach erzeugen. Dabei kann das Gangmuster jeweils an die Patienten:innen individuell angepasst werden und eine Voll- oder Teilentlastung durchgeführt werden.

Das erste Mal am Gangtrainer vergangenen Mai war so schön, ich habe geweint. Es ist mir sehr nahe gegangen und es war so toll meine Beine zu spüren und zu bewegen“, erzählt Yvonne.

Seitdem hat sich Yvonnen kontinuierlich verbessert. In der Intensivwoche gelang es Yvonne schon die Hälfte ihres Körpergewichtes am Gangtrainer selbst zu übernehmen. Zu Beginn unserer Therapie musste aufgrund der fehlenden Beinaktivität noch ihr gesamtes Körpergewicht abgenommen werden.


Stehen als Grundlage fürs Gehen

Unser dynamischer Stehtrainer „Balo“ hat das Ziel das Stehen auf den eigenen Beinen zu verbessern und die Beine zu kräftigen. Für Yvonne war dabei das Rumpftraining während des Stehens besonders wichtig. „Der Stehtisch ist sehr wichtig. Sehr anstrengend für den Rücken, aber da sind die Knie gut gestreckt und man ist in einer aufrechten Position“, beschreibt Yvonne. Die Übungen konnten am Ende der Therapie dann teilweise schon freihändig durchgeführt werden. Dies war für Yvonne besonders anstrengend, da sie noch mehr mit dem Rumpf arbeiten musste.


Mit Yvonnes Lieblingsgerät „Omego“, dem robotikgestützen Gangphasentrainer, wurden vor allem die Muskeln für die Standkraft trainiert. Die Beine wurden mit der Funktion Beinpresse und Stepper gekräftigt. Diese beiden Funktionen wurden bei Yvonne so eingestellt, dass sie vor allem die Beine in Streckung kräftigt, welche für das Stehen und die Aufrichtung besonders wichtig sind. Zusätzlich hat sie jeden Tag mindestens 10 Minuten mit der Fahrradfunktion trainiert.

Das ist voll cool mit dem Fahrrad fahren. Da sehe ich wirklich, dass ich selbst auch Aktivität in den Beinen habe zum Fahrrad fahren und Drücken und Beinpresse“, freut sich Yvonne.

Um ihren Rumpf für das Gehen und Stehen zu kräftigen, wurde auch sehr viel Training sitzend auf dem Pezziball, teilweise freihändig, durchgeführt. Da Yvonne jede kleine Bewegung mit ihrem Rumpf ausgleichen musste, ohne dabei ihre Arme als Unterstützung zu verwenden, waren die Übungen am Pezziball besonders herausfordernd. Weiters wurde der Rumpf während des Bodentrainings, wie Vierfüßlerstand oder Kniestand, durchgeführt.


Messbare Fortschritte

Um objektiv bewerten zu können, ob unsere Patienten:innen Fortschritte machen, führen wir jedes Mal eine genaue Anfangsuntersuchung durch. Die Tests dieser Untersuchung werden während und am Ende des Therapieblocks wiederholt, damit wir ein optimales Training gewährleisten können.


Beinkraft

Krafttestung im Vergleich - Therapiebeginn, Sommer 2021 und April 2022

Die Maximalkraftmessung der Beine wird in sitzender Position auf unserem Gangphasentrainer durchgeführt. Jedes Bein wird separat auf seine maximale Kraft getestet. In Summe ergibt sich dann eine Standkraft (oder "Sit-To-Stand"-Kraft).


Die Zahlen zeigen eindeutig: Yvonne hat seit dem Sommer und durch die Intensivtherapie ihre Gesamtbeinkraft beinahe verdoppelt seit Therapiebeginn mehr als verfünffacht.

Diesen Kraftzuwachs konnte man auch auf unseren Gangtrainern sehen. Yvonne konnte während der Intensivtherapie immer mehr Eigengewicht übernehmen. Sie hat es ein paar Mal geschafft die Hälfte ihres Körpergewichtes zu übernehmen und sie konnte ihre Beine bei jedem Schritt etwas mehr mitstrecken. Dies ist sehr anstrengend für sie, jedoch zeigt es, dass sie immer mehr Zugang und Kraft in ihren Beinen bekommt.

Start Therapie

April 2022

Sommer 2022

​Kraftmessung

Links 4,3 kg

Rechts 4,0 kg

Links 13,3 kg

Rechts 11,8 kg

Links 20,7 kg

Rechts 21,8 kg

Gesamtbeinkraft

(Sit-to-stand Kraft)

Gesamt 8,3 kg

Gesamt 24,7 kg

Gesamt 42,2 kg

Gangtrainer übernommenes Eigengewicht

0 kg ihres eigenen Körpergewichts

20 kg ihres eigenen Körpergewichtes

32,5 kg ihres eigenen Körpergewichts

Noch eindrücklicher zeigt sich Yvonnes Fortschritt durch ihre Möglichkeit aus einem hohen Sitz, ohne Mitverwendung der Arme, aufzustehen. Die Knie wurden dabei von der Physiotherapeutin gestützt und der Oberkörper etwas gehalten. „Es wird alles Schritt für Schritt gemacht - die Vorgänge vom Aufstehen wie es eigentlich funktioniert. Oberkörper nach vorne, Becken vorne, Oberkörper aufrichten, Knie strecken. Da gehört so viel dazu“, erzählt Yvonne über die ersten Aufstehversuche. Das Aufstehen ist für sie zwar noch eine sehr anstrengende Übung, aber es ist ein guter Anfang auf ihrem Weg irgendwann wieder gehen zu können.


Rumpfkraft

Yvonne konnte nicht nur ihre Beinkraft verbessern, sondern auch ihre Rumpfkraft bzw. ihre Rumpfstabilität. Ein Indiz dafür ist, dass Yvonne gegen Ende der Intensivtherapie das erste Mal ohne Festhalten am Pezziball sitzen und währenddessen Übungen durchführen konnte, wie z.B. das Becken in verschiedene Richtungen zu kippen und das Gewicht zu verlagern. Vor der Intensivtherapie musste sie sich bei den gleichen Übungen immer am Tisch festhalten.


Durch das intensive Rumpftraining hat sich auch Yvonnes Fähigkeit verbessert, ihren Rumpf zu beugen. Vor der Intensivtherapie musste sie sich, während sie im Rollstuhl sitzt und etwas vom Boden aufheben möchte, mit einer Hand auf ihrem Bein abstützen. Nach 5 Tagen Therapie mit insgesamt 25 Trainingsstunden, musste sie sich nicht mehr abstützen.



Dem Gehen ein Stückchen näher

Die Intensivtherapie war für Yvonnen nicht nur objektiv ein voller Erfolg, sondern auch subjektiv. Objektiv haben hat sich ihre Kraft in den Beinen und im Rumpf deutlich verbessert. Yvonnes Durchhaltevermögen, ihre hohe Motivation und das unermüdliche Trainieren bis zur Erschöpfung tragen einen großen Teil zu ihren Fortschritten bei.

Ich merke einfach, es geht was weiter und das ist meine Motivation. Das ich einfach sehe, dass es nicht stehen bleibt, sondern immer etwas Neues dazu kommt“, berichtet Yvonne erfreut.

Personen, die in einer ähnlichen Situation sind, möchte sie mitgeben, dass sie nie aufgeben und immer weiter machen sollen. Yvonne ist fest davon überzeugt:

„Es wird sich auszahlen! Irgendwann wird sich zeigen, dass sich das Kämpfen gelohnt hat“.

Yvonnes Fortschritt haben wir auch in einem Video zusammengefasst:



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