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Willis Weg zum selbstständigen Gehen

Aktualisiert: 6. Feb. 2023

Der 6-jährige Willi hat das Di-George-Syndrom und eine Halbseitenlähmung links. Nach einer Operation muss er das Gehen wieder neu erlernen – eine Intensivtherapie bei HOME4MOTION half ihm dabei.

Willi übt Gleichgewicht mit Pablo
Willi übt Gleichgewicht mit Pablo

Der 6-jährige Willi hat in seinem Leben schon viel erlebt. Er leidet am Di-George-Syndrom, einer Halbseitenlähmung links und litt, bevor eine Operation Erleichterung brachte, an epileptischen Anfällen. Der fröhliche und offene Junge lässt sich davon aber nicht unterkriegen. Er geht in den Kindergarten, fährt liebend gerne mit dem Bus und kommt regelmäßig in unser Therapiezentrum in Graz zur Therapie. Seit August 2020 begleiten ihn unsere Physiotherapeut:innen schon auf seinem Weg seine motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Dabei halfen ihm auch zwei ein- bis zweiwöchige Intensivtherapien.

Zum Start der Intensivtherapie konnte Willi nur mit viel Gewichtsabnahme gehen
Zum Start der Intensivtherapie konnte Willi nur mit viel Gewichtsabnahme gehen

Nach der letzten Intensivtherapie im Sommer 2022 wurde bei Willi eine operative, globale Myofasziotomie im Bereich der oberen und unteren Extremitäten durchgeführt. Dabei wird durch kleine Einschnitte der Muskelfaszien die Muskulatur entspannt. Dies soll das Bewegungsausmaß erweitern und die Funktionsfähigkeit der Muskulatur steigern. Nach dieser Operation ist eine 6-wöchige komplette Entlastung der Beine notwendig. Außerdem wurde die Versorgung mit Orthesen an den Beinen neu angepasst. Im Dezember startete Willi seine mittlerweile dritte Intensivtherapie. In der zweiwöchigen Intensivtherapie trainierte Willi täglich 2 Stunden mit großer Motivation. Am ersten Tag der Intensivtherapie hatte Willi seine Orthesen gerade neu bekommen und ist noch nicht oft damit aufgestanden und gegangen. Dazu kommt die lange Schonungszeit, weshalb es ihm schwer fiel das linke Bein zu belasten und aktiv zu bewegen.


Die ersten Schritte zu Beginn der Intensivtherapie waren nur unter viel Gewichtsabnahme und maximaler manueller Unterstützung durch Physiotherapeutin Martina bei der Kniestreckung möglich. Willi war noch nicht wieder in der Lage sein linkes Bein zu belasten und sein Körpergewicht zu übernehmen.


Deswegen waren die Ziele der Intensivtherapie die Belastungsfähigkeit, Ausdauer und die Übernahme des Körpergewichts im Stehen zu verbessern, die Kraft der Beinmuskulatur zu stärken und die Gehfähigkeit mit Unterstützung durch eine Hilfsperson zu steigern.


Therapie für Stehen und Gehen

Willi war wieder mit viel Freude dabei und übte unermüdlich in jedem Übungssetting mit seinem Lieblingsspiel, dem Lift fahren. Bei diesem Spiel muss Willi durch seine Bewegung Personen mit dem Lift von einem Stock in einen anderen Stock zu bringen.


Willi hatte z.B. großen Spaß beim Üben auf der Balance-Plattform „Tymo“ und dem Pablo-Sensor. Er übte dabei während er den Lift durch seine Bewegung in verschiedene Stöcke bewegte Gleichgewichtsreaktionen wie Ausfallschritte im Stand, die Gewichtsübernahme in Schrittposition (vor allem auf das Standbein links) oder das Steigen auf kleinen Stufen zur Kräftigung der Beinmuskulatur. Der Pablo-Sensor ist sehr flexibel einsetzbar und kann z.B. am Oberschenkel befestigt und durch die Beinbewegung der Lift bewegt werden. Dadurch kann das Stand- und Schwungbein geübt werden. Wir schafften über die verschiedenen Übungen immer wieder neue Bewegungsimpulse, um das Gleichgewicht optimal trainieren zu können. Mit dem Pablo-Sensor wurde auch das Einbeziehen der linken Hand in Tätigkeiten, die beide Hände benötigen z.B. das Greifen eines Ringes oder Reifens, trainiert. Dazu wurde der Sensor an Willis Oberarm befestigt und durch die Bewegung nach oben und unten oder links und rechts der Lift gesteuert.

In jeder Einheit ist Willi auch auf dem Gangtrainer „PerPedes“ gegangen, der das menschliche Gangmuster detailgetreu nacherzeugt. Mit dem Gangtrainer kann Willi den Gangrhythmus unter Abnahme des Körpergewichts erlernen und die Ausdauer und Aktivität der Beine beim Gehen üben. Durch den Gangphasentrainer Omego, der einem Fahrrad sehr ähnlichsieht und auch das Fahrradfahren in einer malerischen Landschaft ermöglicht, werden die Oberschenkelmuskel gekräftigt. Hier konnte Willi stetig länger mit mehr Widerstand in die Pedale treten und setzte das linke Bein immer öfter spontan in seine Handlungen bei der Beinpresse ein.




Ein Sportfest für Willi

Willi beim Ausfüllen seines Sportpasses
Willi beim Ausfüllen seines Sportpasses

Um objektiv bewerten zu können, ob unsere Patienten:innen Fortschritte machen, führen wir jedes Mal eine genaue Anfangs- und Enduntersuchung durch. Um Willi zu motivieren und die Assessments kindgerecht durchzuführen, haben wir mit Willi am Ende der Therapie ein kleines Sportfest mit eigenem Stempelpass und Urkunde veranstaltet.


Die Kraft der Oberschenkelmuskulatur haben wir am Omego mit dem Krafttest Sit to Stand gemacht. Und Willi hat sich

Willi geht mit Rollator
Willi geht mit Rollator

verbessert: die Kraft im linken Bein hat sich von 7,6 kg auf 12,6 kg verbessert und im rechten Bein von 20 kg auf 24,2 kg. Die Kraftverbesserung war aber schon davor deutlich erkennbar. Schon am Beginn der zweiten Woche war Willi wieder in der Lage selbstständig Gewicht auf dem linken Bein zu übernehmen und brauchte nur Unterstützung beim Halten des Gleichgewichts. Außerdem war Willi in der zweiten Woche fast ausschließlich mit dem Rollator unterwegs. Dabei braucht er nur wenig Unterstützung beim Lenken und Halten des Griffes mit der linken Hand. So konnte er schon 5 m ohne Pause gehen.



Auch die Ausdauer im Stand am Tymo hat sich verbessert. Während er zu Therapiebeginn 6 Minuten stehen konnte, schaffte er es am Ende der Intensivtherapie schon 10 Minuten am Stück zu stehen und mit hoher Konzentration Übungen auf dem Tymo zu machen.



Willis Weg geht weiter

Die nächste Intensivtherapie mit Willi ist schon geplant. Auch bei dieser Intensivtherapie wird das Ziel sein, die Fähigkeiten des Stehens und Gehens zu erweitern. Außerdem wird der Fokus auf die Stützaktivität und Greifaktivität der linken Hand gelegt, damit Willi in Zukunft sicher mit einem Hilfsmittel gehen lernen kann. Dies würde seine Selbstständigkeit deutlich verbessern. Ein weiteres Ziel ist das freie Stehen und Halten der Balance des Oberkörpers und Beckens.


Da Willi so motiviert ist und wirklich gerne in unsere Einrichtung zur Therapie kommt, sehen wir großes Potential, dass er die Funktion des Gehens mit wenig Unterstützung erweitern wird.


Wir freuen uns auf die nächste Intensivtherapie mit dir und wünschen alles Gute!






Großzügige Spende für Intensivtherapie

Willis Intensivtherapie im Dezember 2022 wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins „Dank Dir“ ermöglicht. DANK DIR ist eine Online-Spendenplattform für Kinder mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung in Österreich mit dem Zweck, dringend benötigteTherapien oder Heilbehelfe zu finanzieren. Darüber hinaus unterstützt DANK DIR Sonderausgaben für Geräte, die der Inklusion dienen (Behinderten-Fahrräder u.ä.) oder auch Adaptierungen im Wohnbereich.


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