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Einmal Rollstuhl und zurück – wie Valentino wieder laufen lernte

Nach plötzlichem Stechen im Rücken lautete Valentinos Diagnose Rückenmarksinfarkt. Die Ärzte:innen sagten keine guten Zukunftsaussichten voraus – er war auf den Rollstuhl angewiesen. Mit unbegrenztem Willen und intensiver Bewegungstherapie und einer Intensivtherapie in den Osterferien schafft es Valentino mittlerweile mit dem Rollator zu gehen.

Valentino trainiert mit "Balo" an seiner Rumpfstabilisation
Valentino trainiert mit "Balo" an seiner Rumpfstabilisation

Die Geschichte vom heute 15-jährigen Valentino begann im Juni 2020 mit plötzlichem Stechen im Rücken und Bauchschmerzen beim Spazieren im Park. Zuhause kamen noch Kribbeln und ein Taubheitsgefühl in den Beinen dazu. Nach einem einwöchigen Krankenhausaufenthalt erfuhren Valentino und seine Eltern den Grund für die Symptome: „spinale ischämische Myelopathie“ – ein Rückenmarksinfarkt. Valentino saß von nun an im Rollstuhl. „Die Ärzte haben ihm keine gute Prognose gegeben. Sie meinten, er habe nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit wieder gehen zu können“, erzählte Vater Igor beim Erstgespräch Martin Weißensteiner, Therapieleiter und Mitbegründer von HOME4MOTION. Seitdem kämpft sich Valentino Schritt für Schritt wieder zurück in ein selbstständiges Leben.


Die Therapeut:innen von HOME4MOTION unterstützen ihn auf diesem Weg seit Dezember 2020. Am Tag des Erstgesprächs konnte Valentino nur mit Hilfe seines Vaters durch eine feste Umarmung am Rumpf stehen. Stehen ist ein komplexer Vorgang und erfordert Kraft, Ausdauer, Koordination der Beinmuskulatur und Stabilisierung des Rumpfes. In unserem Therapiezentrum war dies dann monatelang dreimal die Woche der Fokus. Zu den heutigen Therapien kommt Valentino mittlerweile eigenständig mit dem Rollator.


In den Osterferien absolvierte Valentino zusätzlich eine 5-tägige Intensivtherapie mit täglich 4,5 bis 5 Stunden Therapie. Die Intensivtherapie ist besonders wirksam, da für das Neuerlernen von Aktivitäten viele Wiederholungen in verschiedenen Settings benötigt werden.


Intensivtherapie brachte Erfolge

Der Fokus in der Therapiewoche lag in der Kräftigung der Rumpf- und Beinmuskulatur und die Vergrößerung der Gehstrecke mit zwei 4-Punkt-Gehstöcken. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Übungen und Therapiegeräte zur Bein- und Rumpfkräftigung und zum Gehtraining genutzt.


Um die Beine zu kräftigen wurde hauptsächlich mit den Gangphasentrainer „Omego“ gearbeitet. Hier werden genau die Muskeln in einer Gangphase gekräftigt, die etwas schwächer sind. Bei Valentino lag der Fokus in der Kniestabilisation in der Standbeinphase. Deswegen wurden vorwiegend die Muskeln der Oberschenkelvorderseite trainiert. Aber auch im Gangtrainer „Perpedes“ hat Valentino bis zu einer Stunde am Tag fleißig trainiert. Beim Gehen im „Perpedes“ wird sowohl die Bein- als auch die Rumpfmuskulatur gestärkt und ein physiologisches Bewegungsmuster initiiert, was ihm dann beim Gehen mit Stöcken hilft.


Das Gehen wurde einerseits robotikunterstützt trainiert, aber auch ganz klassisch mit zwei 4-Punkt-Gehstöcken. Beide „Trainingsarten“ haben einen etwas anderen Schwerpunkt. Beim Gehen am „Perpedes“ liegt der Fokus auf einem physiologischen Gangbild. Für Valentino bedeutet das, dass er beide Knie nicht in eine Überstreckung (Hyperextension) bringen und den Rumpf so stabil wie möglich halten soll, ohne sich mit dem Gesäß anzulehnen. Ihm kann dabei so viel Gewicht abgenommen werden, sodass dies möglich wird. Im Laufe der Zeit wird die Entlastung immer mehr reduziert bis Valentino auch beim freien Gehen einen physiologischen Bewegungsablauf umsetzen kann. Beim Gangtraining mit den 4-Punkt-Gehstöcken hingegen liegt der Fokus momentan auf der Ausdauer und darauf die Gehstrecke zu maximieren.


Die Kräftigung des Rumpfes wurde in verschiedenen Ausgangsstellungen und mit unterschiedlichen Geräten trainiert. Es wurde im Sitz im Rollstuhl, auf der Bank, am Pezziball geübt oder im Stehen. Zum Einsatz kamen das Gerät „Tymo“, eine sensorische Druckmessplatte die Gewichtsverlagerungen misst, der „Pablo“- Sensor, um Bewegungsabläufe mittels visuellen Feedbacks sichtbar zu machen und „Myro“ ein interaktiver Touchscreen und gleichzeitig eines der Lieblingsgeräte von Valentino.

Alle Übungen haben gemeinsam, dass Valentino seinen Rumpf bei verschiedenen Bewegungsanforderungen stabilisieren muss. Im Stehen soll er so ein Hohlkreuz vermeiden und im Sitzen eine ausgeprägte Krümmung (Flexion) der Brustwirbelsäule.


Objektive Ergebnisse

Um objektiv bewerten zu können, ob unsere Patienten:innen Fortschritte machen, führen wir jedes Mal eine genaue Anfangsuntersuchung durch. Die Tests dieser Untersuchung werden während und am Ende des Therapieblocks wiederholt, damit wir ein optimales Training gewährleisten können.


Unter anderem wurde die Gehstrecke in 2 und 6 Minuten gemessen, die Zeit gestoppt wie lange Valentino frei Stehen kann und die Kraft der Beine mit Omego erhoben. Valentino hat sich in dieser Woche bei fast allen Testungen signifikant verbessert. Am eindrucksvollsten ist das Vorher-Nachher-Ergebnis des Gehtests. Aber auch die Zeit in der Valentino ohne anhalten frei Stehen kann, ist nach einer Woche intensivem Training besser geworden.


Die Kraft der Beine konnte leicht gesteigert werden, wobei ein signifikanter Kraftzuwachs nicht in einer Woche Therapie erreicht werden kann und auch Unterschiede in der Tagesverfassung eine Rolle spielen.

Beginn Intensivtherapie

Ende Intensivtherapie

​2-Minuten-Gehtest

10 Meter

17 Meter

​6-Minuten-Gehtest

26 Meter (mit einer Sitzpause)

45 Meter (ohne Pause)

Freies Stehen

31 Sekunden

1 Minute

Kraft „Omego“

rechts 18,9 kg

links 19,1 kg

Sit-to-stand 37,8 kg

rechts 22 kg

links 23,1 kg

Sit- to- stand 43 kg

Seinem Ziel ein Stückchen näher

Die Intensivwoche war objektiv ein voller Erfolg. Was allerdings noch viel wichtiger ist, ist der subjektive, persönliche Erfolg von Valentino. Valentino hat die Woche gut gefallen, vor allem, „dass er so viel trainieren konnte“, erzählt er. Er hat auch Verbesserungen wahrgenommen: „Ich spüre, dass meine Muskeln kräftiger geworden sind und mir das Gehen etwas leichter fällt“. Auch sein Vater Vigor ist stolz über die Verbesserungen:

Das auf Valentiono speziell angepasste Therapieprogramm und die robotikgestützten Geräte, brachten große Fortschritte für Valentino. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind. Valentinos Durchhaltevermögen und sein Wille überraschen uns Tag für Tag“.

Valentino ist durch die Intensivtherapie seinem großen Ziel ohne Hilfsmittel wieder selbstständig gehen zu können ein Stückchen nähergekommen.



Großzügige Spende für Intensivtherapie

Valentinos Intensivtherapie konnte dank einer großzügigen Spende des Vereins „Stiftung Kindertraum“ ermöglicht werden. Stiftung Kindertraum erfüllt Herzenswünsche von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen oder schweren Krankheiten in Österreich.






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