Bewegungsabläufe nach einem Schlaganfall wieder neu lernen.

Aktualisiert: Jan 30


Neuroplastizität ist die Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder ganzer Hirnareale, sich in Abhängigkeit ihrer Verwendung neu zu organisieren. Verliert man beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls gewisse Hirnareale die für das Ansteuern von Muskeln und das Durchführen von Bewegungen zuständig sind, so können diese Aufgaben von anderen Bereichen ganz oder teilweise übernommen und Defizite so ausgeglichen werden.

Lokalisation, Ausmaß und Art des Schlaganfalls (ischämisch oder hämorrhagisch) bestimmen dabei die Funktionserholung maßgeblich. Man unterscheidet dabei unterschiedliche Arten der Regeneration. Während bei einer spontanen Regeneration, nicht abrufbare Bewegungsabläufe plötzlich und ohne Zutun des Patienten wieder abrufbar werden (dies geschieht meistens in einem sehr nahen Zeitfenster unmittelbar nach dem Schlaganfall), müssen in späteren Phasen verlorene motorische Fähigkeiten zumeist mühsam neu erlernt werden.


Wie können verloren gegangene Bewegungen wieder erlernt werden?

Motorisches Lernen wird durch ständige Wiederholungen der Bewegungsabläufe sowie einer steigenden Intensität am besten gefördert. Wiederholungen sind einer der maßgeblichen Einflussfaktoren um Hirnareale neu zu vernetzen und Bewegungen wieder abrufbar zu machen. Wichtig ist dabei, ein möglichst physiologisches Bewegungsmuster zu trainieren. Robotikgestützte Trainings- und Therapiegeräte sind hierbei wichtige Helfer und ermöglichen eine hohe Qualität der Bewegungsabfolgen sowie die nötigen hohen Wiederholungszahlen. Ein robotikgestützter Gangtrainer wie zum Beispiel der Lyra von Thera-Trainer oder der Lokomat von Hocoma können, wenn ausreichend intensiv angewendet, neue Möglichkeiten eröffnen und Betroffene wieder aus dem Rollstuhl holen.

Der Handroboter Amadeo von der Firma Tyromotion ermöglicht, Greifbewegung gezielt zu trainieren, auch wenn der Betroffene aufgrund einer hohen Spastik an eine Verbesserung kaum zu denken gewagt hätte.


Auch wenn der Schlaganfall einige Jahre zurück liegt, kann mit einem intensiven Training unglaublich viel erreicht werden. Wichtig dabei ist dass man die Motivation aufbringt und durchhält. Wie bei jeder Bewegung die wir lernen (zum Beispiel eine neue Sportart) gilt: je mehr wir trainieren, desto besser werden wir. Selbst geringe Verbesserungen können bereits eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität mit sich bringen. Eine reduzierte Spastik im Arm und in der Hand etwa, hilft dem Betroffenen sich selbständig anziehen zu können. Ein verbessertes Gangbild kann das Fallrisiko und somit das Unfallrisiko erheblich verringern. Daher macht es Sinn, die richtigen Ziele zu definieren und sich eine gute Strategie zu erarbeiten, diese bestmöglich zu erreichen.

Martin Weißensteiner, BSc
Gründer und Geschäftsführer von HOME4MOTION Graz

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